Vorwort Begleitband

 

Vorwort

Im Jahr 2008 feierte das Bernburger Servitenkloster sein 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erstellte der Autor eine Ausstellung mit dem Titel „Auf den Spuren der Gotik“ zur mittelalterlichen Bernburger Stadtgeschichte. Im Rahmen des am 23.10.2010 stattgefundenen Kolloquiums „Stadtgeschiche im Spannungsfeld“ der Kulturstiftung Bernburg wurde diese Ausstellung, die bisher nur im Bernburger Servitenkloster präsentiert wurde, im Rathaus Bernburg  gezeigt, um flankierend zum Thema der Tagung dem Besucher einen Blick auf die mittelalterliche Ausgangssituation für die Entwicklung der frühneuzeitlichen Residenzstadt Bernburg zu ermöglichen. Aufgrund der zahlreichen Nachfragen soll das Material nun als Beiheft zum Tagungsband publiziert werden.

Bei den dazu notwendigen Vorarbeiten stellte sich aber für den Autor bald heraus, dass die bisher zur mittelalterlichen Bernburger Stadtgeschichte vorhandene regionalhistorische Literatur zahlreiche Defizite aufwies. Sie gehen darauf zurück, dass jahrzehntelang Aussagen unkritisch übernommen wurden, ohne diese an Ergebnissen der jüngeren Forschung zu überprüfen. Dabei wurden wichtige Faktoren der Bernburger Stadtentwicklung, wie die Dualität des Bernburger Stadtgrundrisses, die Rolle der Bergstädter Aegidienkirche und die Zuordnung verfassungsrechtlicher Sonderbereiche der Bernburger Burgsiedlung, vernachlässigt. Bald schon zeigte sich, dass die ursprünglich nur als Vorarbeit zur Publikation der Ausstellung geplante kritische Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand zur mittelalterlichen Geschichte der Stadt Bernburg ein so umfangreiches Material hervorbrachte, dass der zuvor geplante Rahmen einer populären Darstellung dieser Inhalte bald gesprengt wurde.

Aufgrund der die Themenbereiche des Kolloquiums „Stadtgeschichte im Spannungsfeld“ direkt berührenden Aussagen zur räumlichen Situation im Burgbezirk und zur historischen Funktion der Aegidienkirche hat sich der Autor entschlossen, die Arbeit als Aufsatz mit entsprechenden Quellenangaben im Textanhang dieses Heftes zu veröffentlichen. Als Resultat des Entstehungsprozesses haftet diesem Teil ein gewisser konzeptioneller Charakter an, der vielleicht dem Leser das Verständnis von Zusammenhängen erschweren könnte. Der Autor möchte den Text als Diskussionsbeitrag und Denkanstoß verstanden wissen. Gerade die Beschäftigung mit der heimatkundlichen Forschungsgeschichte zeigt, dass allgemeingültige Wahrheiten schwerlich zu formulieren sind und es immer wieder zur Neuinterpretation bereits bekannt geglaubter Inhalte kommen muss.

Als wichtige Basis für die Beschäftigung mit der Bernburger Stadtgeschichte diente auch bei dieser Arbeit das grundlegende Werk Franz Stielers, der umfangreiche Quellen erschlossen und zahlreiche Sachverhalte erstmals nachvollziehbar geordnet hat. Für die Übersetzung lateinischer Urkunden möchte ich mich bei Frau Jana Beyer und Herrn Karl-Friedrich Allenstein, beide sind als Fachlehrer für Latein am Gymnasium Carolinum Bernburg tätig, bedanken. Ein besonderer Dank gebührt auch Herrn Prof. Dr. phil. habil. Solms und Herrn Dipl.-Germanist Ulrich Wenner vom Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für die Beratung bei der Interpretation der niederdeutschen Texte und deren Transkription.

Olaf Böhlk